
Warum dein Beckenboden mehr mit deiner Psyche zu tun hat, als du denkst
Viele verbinden das Thema Beckenboden vor allem mit Themen wie Inkontinenz, Rückbildung oder körperlichem Training.
Doch der Beckenboden ist weit mehr als nur Muskulatur – er ist eng mit deinem Nervensystem und deinen Emotionen verbunden.
Gerade bei Beschwerden lohnt sich deshalb ein ganzheitlicher Blick:
Denn Körper und Psyche gehören zusammen.
Was hat die Psyche mit dem Beckenboden zu tun?
Unser Körper reagiert ständig auf innere und äußere Reize. Eine zentrale Rolle spielt dabei das autonome Nervensystem, das zwischen Aktivierung (Sympathikus) und Entspannung (Parasympathikus) reguliert.
Wenn wir uns sicher fühlen:
- kann der Körper entspannen
- Muskeln können loslassen
- der Beckenboden arbeitet flexibel und dynamisch
Wenn wir uns jedoch gestresst oder unsicher fühlen:
- bleibt der Körper in Anspannung
- der Beckenboden „hält fest“
- Loslassen wird schwierig
Genau hier beginnt die Verbindung zwischen Psyche und Beckenboden.
Trauma und dein Körper: Warum überhaupt Spannung entsteht
Nach traumatischen Erfahrungen schaltet unser Körper in einen Überlebensmodus, in dem er mit verschiedenen Verhaltensweisen auf eine Bedrohung oder einen Trigger reagieren kann.
- Kampf (Fight)
- Flucht (Flight)
- Erstarren (Freeze)
- Anpassung (Fawn)
- Zusammenbruch (Shutdown)
Wenn Kampf oder Flucht nicht möglich sind, bleibt meistens das Erstarren. Die dabei entstehende Spannung wird im Nervensystem „eingefroren“ und nicht vollständig abgebaut. Da das Großhirn (was für das logisch emotionale Denken verantwortlich ist) in einer solchen Situation ausgeschaltet ist, kann das Gehirn das Erlebte nicht mehr zeitlich und räumlich einordnen. Eher bleibt es fragmentiert und im körperlichen Gewebe gespeichert.
Typische Symptome im Beckenboden
Viele Menschen mit traumatischen Erfahrungen entwickeln körperliche Beschwerden, zum Beispiel:
- Schmerzen im Becken, Unterleib oder Intimbereich
- Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang
- Erektionsstörungen
- Schmerzen beim Sex (Dyspareunie)
- unwillkürliche Verkrampfungen im Intimbereich (z. B. Vaginismus)
Studien zeigen, dass 65–90 % der Menschen mit Trauma-Folgestörungen auch Beckenbodenbeschwerden haben. Diese Beschwerden sind der Ausdruck eines überlasteten Nervensystems.
Warum reines Training oft nicht ausreicht, reden aber auch nicht.
Viele Betroffene hören Sätze wie:
„Du musst dich einfach entspannen.“ Oder „mach dich mal locker“. Ein Betroffner kann sich aber nicht willkürlich entspannen, da das Nervensystem sich weiterhin nicht sicher fühlt. Und genau hier muss zuerst stabilisiert werden bis Training oder Gespräche helfen können.
Der Schlüssel: Sicherheit im Körper
In der traumasensiblen Arbeit steht daher Stabilisierung an erster Stelle .
Das heißt konkret:
- langsames Vorgehen
- Wahrnehmung statt intensivem Training
- Nervenregulationstechniken
Ganzheitliche Ansätze
1. Körperarbeit & Beckenbodentraining
- sanfte Übungen
- Wahrnehmung statt Leistung
- allgemeine Bewegung senkt Stresshormone
2. Mentaltraining & Arbeit mit inneren Bilder
Techniken aus dem Mentaltraining helfen, das Nervensystem zu beruhigen:
- Visualisierungen (z. B. „wärmender Lichtstrahl“ oder „der sichere Ort)
- positive Körperwahrnehmungsübungen
3. Körperorientierte Übungen (z. B. „EMDR-Butterfly“)
Die sogenannte Butterfly-Übung stammt aus der traumatherapeutischen Arbeit (z. B. EMDR).
Dabei werden durch abwechselndes Berühren der Körperseiten (bilaterale Stimulation):
- beide Gehirnhälften aktiviert
- das Nervensystem beruhigt
- Stress reduziert
Diese Methoden unterstützt dabei, das Nervensystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
4. Achtsamkeit & Body Scan
Einfache Übungen wie der Body Scan helfen:
- den Körper wieder wahrzunehmen
- Spannung zu erkennen
- schrittweise zu regulieren
Wichtig für dich: Dein Körper arbeitet für dich, nicht gegen dich…
… und ein ganzheitlicher Ansatz – der Körper, Psyche und Nervensystem berücksichtigt – kann dabei helfen, wieder mehr Sicherheit, Entspannung und Vertrauen in den eigenen Körper zu entwickeln.
