
Beckenboden, Kiefer und Psyche
Warum Stress und Trauma eine größere Rolle spielen,
als viele denken
Wenn vom Beckenboden die Rede ist, denken viele Frauen sofort an Muskeln, Training oder Rückbildung. Doch in der Praxis zeigt sich immer wieder: Beckenbodenbeschwerden haben oftmals auch eine Verbindung mit Stress, Emotionen und dem (vegetativen) Nervensystem. Der Beckenboden reagiert sensibel auf das, was wir erleben. Er ist ein Spiegel unserer inneren Anspannung – und manchmal auch direkt mit unserer psychischen Verfassung verbunden.
Der Beckenboden: Ein sensibler Schutzraum
Der Beckenboden hat im Körper verschiedene Aufgaben. Er stabilisiert die inneren Organe, unterstützt Blase und Darm bei Kontinenz und bei der Entleerung, er beeinflusst außerdem die Sexualität und die Orgasmusfähigkeit– und reagiert sehr fein auf die Signale des Nervensystems. Das macht ihn besonders anfällig bei Stress und dauerhafte Anspannung.
Er ist direkt gekoppelt an:
- das autonome Nervensystem
- die Atmung
- das emotionale Wohlbefinden
- die Kiefergelenke (als Reflexzone)
Die Auswirkung von Dauerstress im Alltag – wenn der Körper nicht mehr loslassen kann
Chronischer Stress (die Mental Load die viele Frauen und Mamas jeden Tag tragen, Schlafmangel, Stress durch ständige Verantwortung, das Funktionieren) aktiviert dauerhaft den Sympathikus – den Teil des Nervensystems, der für Aktivierung, Leistung und Überleben zuständig ist. Ist der Sympaticus aktiv, bleibt unser Körper unter Dauerstrom. In diesem Alarmzustand verspannen sich unsere Muskeln, die Atmung wird schneller und flacher, ein „runterkommen“ fällt schwer. Der Beckenboden und die Kiefergelenke sind besonders anfällig, da sie reflexartig sichern und stabilisieren, stark nerval verschaltet sind und eng mit Emotionen, Kontrolle und Grenzen zusammenhängen.
Häufige Symptome bei Dauerstress:
- Beckenschmerzen oder Rückenschmerzen
- Flache Atmung
- Verringerte Körperwahrnehmung
- Blasenprobleme (vor allem Draninkontinenz)
- Reizdarmsyndrom
- Schmerzen beim Sex / Vaginismus
- Zähneknirschen (Bruxismus)
- Eingeschränkte Mundöffnung
- Tinnitus
- Verspannung der Schulter-Nacken Muskulatur
- Kopfschmerzen
- Gefühl von Kontrollverlust
- Rückzug von Nähe und Sexualität
Trauma und Körpergedächtnis: Wenn Schutz im Körper bleibt
Der Körper speichert belastende Erfahrungen – bewusst oder unbewusst. Dazu zählen nicht nur schwere Traumata, sondern auch:
- schwierige Geburten
- medizinische Eingriffe
- Grenzverletzungen
- emotionale Dauerbelastungen
- psychische Gewalt
- emotionaler Mißbrauch
Der Beckenboden übernimmt dabei häufig eine Schutzfunktion im Sinne von zusammenziehen, festhalten und abgrenzen. In der Traumasituation war diese Reaktion sinnvoll, doch oftmals schafft es der Körper nicht, diese Schutzfunktion wieder abzustellen, auch wenn sie längst nicht mehr benötigt wird. Ähnlich wie bei den Stressreaktionen läuft der Körper auf Hochtouren und kann sich nicht mehr entspannen.
Beckenboden und Kiefer: Eine oft übersehene Verbindung

Was viele Patientinnen und Klientinnen nicht wissen: Beckenboden und Kiefer arbeiten reflektorisch zusammen. Oftmals stehen, Zähneknirschen, Kiefergelenksprobleme (CMD), Nacken- und Kopfschmerzen in zusammenhang mit einem gleichzeitig hyperaktiven und hypertonen Beckenboden. Der Kiefer ist – ähnlich wie der Beckenboden – ein Kontroll- und Schutzmuskel. Patienten mit Problemen im Bereich Kiefer / CMD oder Beckenboden sollten deshalb immer ganzheitlich betrachtet werden.
Warum reines Training oft nicht ausreicht, sondern eine ganzheitliche Begleitung wichtig ist.
Klassisches Beckenbodentraining legt den Fokus auf Wahrnehmung, Anspannung und Kräftigung. Ein ganzheitlicher Ansatz sollte außerdem das Spüren, Regulieren und Loslassen mit einbeziehen.
Körperlich kann dies zum Beispiel Atemarbeit (Zwerchfell, Beckenboden, Kiefer), Manuelle Techniken und Fasziale Techniken (wie z.B. Cupping) zum Lösen von Anspannungen beinhalten.
Auf psychologischer Ebene ist es wichtig Stress- und Traumasensibel zu arbeiten und sich an den vorhanden Ressoucen zu orientieren und Raum für Sicherheit und Selbstfürsorge zu schaffen.
Fazit
Dein Beckenboden ist kein isoliertes Problem. Er steht in enger Verbindung mit Psyche, Kiefer und Nervensystem. Wenn Stress, Anspannung oder Schmerzen deinen Alltag bestimmen, begleite ich dich gern auf deinem Weg zu mehr Körpergefühl, Entlastung und innerer Sicherheit.
