
Kaiserschnittnarben: Wenn sie verheilt sind, sich aber trotzdem nicht richtig anfühlen
Eine Kaiserschnittnarbe kann von außen längst gut verheilt sein und sich trotzdem noch taub, fest, empfindlich oder einfach „anders“ anfühlen. Bei der Narbentherapie nach Lippold wird deshalb nicht nur die sichtbare Narbe betrachtet, sondern auch das Zusammenspiel von Haut, Faszien, Muskulatur, Wahrnehmung und Nervensystem. Was das für die Behandlung bedeutet und warum auch ältere Narben noch einen genaueren Blick wert sein können, erfährst du in diesem Beitrag.

Eine Kaiserschnittnarbe kann von außen längst gut verheilt sein und trotzdem noch Beschwerden machen. Manche Frauen beschreiben ein Ziehen oder Spannungsgefühl, andere haben einen tauben Bereich am Unterbauch oder empfinden Berührungen rund um die Narbe als unangenehm. Manchmal fällt es auch erst beim Sport, beim Aufrichten oder bei bestimmten Bewegungen auf.
Genau deshalb schaue ich bei einer Narbenbehandlung nicht nur auf die sichtbare Linie am Bauch. Beim Kaiserschnitt waren verschiedene Gewebeschichten betroffen und entsprechend kann es sinnvoll sein, auch das umliegende Gewebe und dessen Funktion mit einzubeziehen.
Bei meiner Arbeit nutze ich unter anderem die Narbentherapie nach Lippold. In diesem Konzept wird eine Narbe wird nicht nur als oberflächliche Veränderung der Haut betrachtet. Das Konzept unterscheidet drei miteinander verbundene Bereiche – eine somatisch-funktionelle, eine vegetativ-organische und eine psycho-emotionale Ebene.
Die Narbe ist nicht nur das, was wir sehen
Auf der körperlichen Ebene bezieht die Lippold-Methode neben der Haut unter anderem Faszien und Muskulatur mit ein. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Gleitfähigkeit der unterschiedlichen Gewebeschichten und deren Zusammenspiel innerhalb von Muskel- und Faszienketten.
Gerade nach einem Kaiserschnitt schaue ich je nach Beschwerden auch auf Bauchwand, Atmung und Beckenboden. Vielleicht besteht zusätzlich eine Rectusdiastase oder du hast Schwierigkeiten, deine Bauchmuskulatur wieder gut wahrzunehmen und einzusetzen. Für mich macht es wenig Sinn, dann ausschließlich die sichtbare Narbe zu behandeln.
Taubheit und veränderte Wahrnehmung gehören für mich ebenfalls dazu
Viele Frauen berichten mir, dass sich die Region rund um die Kaiserschnittnarbe taub, pelzig oder einfach „fremd“ anfühlt. Andere reagieren an einzelnen Stellen besonders empfindlich.
Auch die Sensorik und Wahrnehmung spielt im Lippold-Konzept eine Rolle. Deshalb schaue ich nicht nur darauf, wie sich das Gewebe unter meinen Händen anfühlt, sondern auch darauf, was du selbst wahrnimmst.
Wo kannst du Berührung gut spüren? Wo weniger? Gibt es Unterschiede zwischen rechts und links? Ist etwas unangenehm?
Was haben Atmung und Nervensystem mit einer Narbe zu tun?
Das ist ein Bereich der Lippold-Methode, den ich besonders interessant finde. Das Konzept betrachtet Narben nicht ausschließlich biomechanisch, sondern bezieht auch Atmung, autonomes Nervensystem und vegetative Reaktionen mit ein. Im Lippold-Konzept wird hierbei insbesondere der Nervus vagus bzw. Parasympathikus beschrieben und mit sanfter, rhythmischer Behandlung sowie Atmung verbunden.
Deshalb kann eine Narbenbehandlung bei mir durchaus ruhiger und sanfter aussehen, als man vielleicht erwartet. Sie muss nicht schmerzhaft sein und es muss auch niemand möglichst kräftig in das Gewebe hineindrücken, damit die Behandlung „funktioniert“.
Und dann gibt es bei einer Kaiserschnittnarbe noch die emotionale Seite
Gerade bei einer Kaiserschnittnarbe finde ich diesen Teil wichtig. Denn an dieser Narbe hängt eine Geburtserfahrung. Vielleicht war dein Kaiserschnitt geplant und völlig in Ordnung für dich. Vielleicht war er ungeplant, plötzlich sehr hektisch oder du hast die Geburt als belastend oder beängstigend erlebt.
Die Lippold-Methode beschreibt deshalb zusätzlich eine psycho-emotionale Ebene und bezieht körperorientierte bzw. traumabezogene Ansätze in ihr Konzept ein. Eine Berührung an einer Körperstelle, die mit einer belastenden Erfahrung verbunden ist, kann emotional etwas auslösen. Deshalb darf bei meiner Behandlung auch dieser Teil Raum bekommen, wenn er für dich eine Rolle spielt.
Wenn du über deine Geburt sprechen möchtest, können wir das. Wenn du ausschließlich an deinen körperlichen Beschwerden arbeiten möchtest, ist das genauso in Ordnung.
Muss jede Kaiserschnittnarbe behandelt werden?
Ganz klar: Nein. Nur weil du eine Narbe hast, braucht sie keine Therapie. Wenn du keine Beschwerden hast, das Gewebe gut beweglich ist und sich der Bereich für dich gut anfühlt, muss ich dort auch kein Problem suchen.
Sinnvoll kann eine genauere Untersuchung aber beispielsweise sein, wenn du ein anhaltendes Ziehen oder Spannungsgefühl bemerkst, Bereiche sehr taub oder empfindlich sind, bestimmte Bewegungen unangenehm sind oder du das Gefühl hast, dass dein Unterbauch seit der Operation irgendwie nicht mehr richtig dazugehört.
Auch eine ältere Narbe kann man sich noch anschauen. Für mich ist weniger entscheidend, ob dein Kaiserschnitt sechs Monate oder sechs Jahre zurückliegt, sondern was du heute bemerkst.
Was passiert bei einer Narbenbehandlung nach Lippold?
Das richtet sich natürlich nach deinem Befund. Ich schaue mir zunächst die Narbe und das umliegende Gewebe an und teste unter anderem Beweglichkeit, Verschieblichkeit und Wahrnehmung. Je nach deinem Anliegen beziehe ich auch Bauchwand, Atmung und Beckenboden mit ein.
In der Behandlung können dann unterschiedliche sanfte manuelle Techniken an Haut und Faszien, Wahrnehmung, Bewegung und Atmung zum Einsatz kommen. Dabei orientiere ich mich an den drei Bereichen, die auch das Lippold-Konzept beschreibt: Struktur und Funktion, vegetative Reaktionen sowie – wenn es für dich relevant ist – die emotionale Wahrnehmung der Narbe.
Narbentherapie bei der Mamawerkstatt
Ich begleite Frauen nach Kaiserschnitt und anderen Operationen im Bauch- und Beckenbereich und arbeite dabei unter anderem mit der Narbentherapie nach Lippold.
Dabei können – abhängig von deinem Befund – Haut und Faszien, Beweglichkeit und Wahrnehmung ebenso eine Rolle spielen wie Bauchwand, Atmung und Beckenboden.
📍 Narbentherapie bei der Mamawerkstatt im Raum Limburg
